Sprachen per Gesetz verordnen?

Die künstliche Einheitssprache wird sich nie gegen die vier gesprochenen lokalen Idiome durchsetzen.
Die künstliche Einheitssprache wird sich nie gegen die vier gesprochenen lokalen Idiome durchsetzen.

Das Bundesgericht hat diese Woche ein wegweisendes Urteil gesprochen. Zahlreiche rätoromanische Gemeinden wurden höchstrichterlich dazu verdonnert, die  Einheitssprache Rumantsch Grischun weiter zu unterrichten. Die Abschaffung der ungeliebten Kunstsprache verzögert sich dadurch nur um ein paar Jahre. Gewonnen hat niemand.

Sprache ist Identität

Sprache ist Leben. Und nur die gesprochene Sprache lebt und entwickelt sich. Diesen Punkt übersehen sowohl die Sprachtheoretiker an den Universitäten wie nun auch die Richter am Bundesgericht. Natürlich kann man mit grammatikalischer Raffinesse am Reissbrett eine Sprache erschaffen. Nur funktioniert das genau sowenig, wie wenn man dem Irrglauben verfällt, eine Unionsbürgerschaft würde der EU eine grössere Legitimation verleihen und eine gemeinsame Identität schaffen. Das Esperanto scheiterte an genau dem Punkt an dem nun auch das Rumantsch Grischun scheitert. Was nicht gelebt und täglich gesprochen wird, ist dem Untergang geweiht. Sprache prägt unsere Kultur und unsere Identität. Kultur und Identität prägen unsere Sprache. Diese überlebensnotwendigen Wechselwirkungen fehlen Kunstsprachen.

Schwiizerdütsch

Auf alle Fälle regt mich das Urteil an, die nächsten Blogs dem Schwiiterdütsch zu widmen.

  • Schwiizerdütsch (I) – Gegenreaktion zur PISA-Hysterie.
  • Schwiizerdütsch (II) – Eine Frage der Identität
  • Schwiizerdütsch (III) – Die Erlösung für Romands