Die Sekundärwirklichkeit täuscht

Eine Diskussion hat mir kürzlich wiedereinmal verdeutlicht, wie unterschiedlich ich doch News konsumiere und welchen Stellenwert ich der gedruckten Story beimesse. Die letzten Jahre haben ihre deutlichen Spuren hinterlassen.

Im Vordergrund steht für mich heute nicht mehr die Geschichte an und für sich. Der Inhalt ist – abgesehen von Interviews oder Kommentaren – irrelevant. Meist ist die Geschichte sowieso nur abgeschrieben oder aufgewärmt. Relevant ist wer die Geschichte bringt, wie sie aufgemacht ist und wer ein Interesse hatte die Sorry zu lancieren. Wenn es um den Inhalt geht sind die Communiqués von Parteien, Verwaltung, Verbänden und Firmen aufschlussreicher, auch wenn sie verklausuliert geschrieben sind. Sie sind ehrlicher weil man die Quelle kennt und man so persönlich die News richtig einordnen kann.

Ich habe es je länger desto stärker satt die Sekundärwirklichkeit abgebildet zu erhalten. Ich will selber bewerten. Ich brauche keine Filter von Journalisten die nicht selten für sich in Anspruch nehmen die Wahrheit wiederzugeben. Doch sowas wie wertneutral gibt es nicht. Wer das glaubt belügt sich selbst oder ist sich seiner – ich sage es deutlich – Beschränktheit – gar nicht bewusst. Ich wette dass 99% der Medienschaffenden unreflektiert vom „Vietnamkrieg“ sprechen würden. Fakt ist: Die Asiaten kennen keinen „Vietnamkireg“, sondern nur einen „amerikanischen Krieg“. Mit solchen Vorurteilen und Halbwahrheiten will ich je länger je weniger eingenebelt werden.

Wenn schon Thesenjournalismus, dann lieber richtig, offen und ehrlich.