Vogel-Strauss-Zugfahrer

Der Pendler leidet heute unter einem grossen Übel. Es sind aber nicht die Viren und Bazillen. Dagegen helfen Vitaminbomben. Es sind auch nicht die überfüllten Züge in Stosszeigen – daran ist man sich gewohnt und man weiss, dass man “Teil des Problems” ist. Die kreischenden Tussis, die rumtobenden Kinder oder die redseligen alten Damen kann man meistens “abschalten”. Dagegen hilft der Ipod zuverlässig. Falsch denkt auch, wer an den liegengelassenen Müll unserer wohlstandsverwahrlosten Gesellschaft oder die Bahnsecurity denkt, die am liebsten im Erstklasswagen sitzt. Nein, all das sie Nebensächlichkeiten.

Vogel-Strauss-Zugfahrer

Was wirklich stört sind die Novizen, die Greenhörner, die Debutanten, die Ferienmacher – und die Autofahrer die sich auf ein Person verirrten. Nichts nervt mehr als die völlig überforderten Mitreisenden die Bahnsteige blockieren, Rolltreppen belagern und planlos in der Gegend stehen. Auf die Spitze treiben es die Vogel-Strauss-Zugfahrer. Für diese Abart dreht sich das ganze Universum nur um sie selber. Es sind jene, die beim Einsteigen drängeln wie Deppen. Wenn sie selber auf der Plattform im Zug stehen, verharren sie umgehend. Weiterlaufen? Ein Fremdwort. Platz schaffen? Wieso auch, “ihr” Problem ist gelöst. Mitmenschen? Soweit scheint der Horizont nicht zu reichen. Genau diese Spezies ist es auch, die beim Aussteigen direkt erstmal felsenfest stehenbleibt. Exakt dort, wo 25, 50, 75 weitere Personen auch noch gerne innert nützlicher Frist aussteigen würden. Steckt ihr eigener Kopf mal an der Luft, vergessen sie alles um sich herum.