Scheintransparenz

Vor jeder Session kommt immer wieder dieselbe Leier. Journalisten allenthalben versuchen die Interessensvertreter link und rechts “einzufangen” und “abzubilden”. Die Botschaft an die Leserschaft: Da sind die bösen Lobbyisten die mit niederträchtigen Absichten und über verschlungene Wege die Politiker “korrumpieren”. Wir, die guten Journalisten, schaffen Transparenz und klären auf.

Nun dann, gut wenn dem so wäre! Tatsache ist, dass die Medien im besten Fall eine Scheintransparenz schaffen. So auch die ehrwürdige NZZ, die nun auch auf diesen Zug aufspringt und in einer Datenanalyse das Beziehungsgeflecht aufzuzeichnen versucht. Schön gemacht! Aber leider ziemlich unvollständig, darum nicht nur unbrauchbar, sonder zu einem guten Teil irreführend. Was ist mit all den Lobbyisten ohne Bundeshausbadge? Jede Analyse bleibt ein Flickwerk.

Der grösste Witz an der Sache ist die Verlogenheit welche die Medienschaffenden damit selber an den Tag legen. Die mit Sicherheit einflussreichste Lobby sind die Medien selber. Sie entscheiden über was berichtet wird oder was totgeschwiegen wird. Sie entscheiden wer und in welchem Umfang zu Wort kommt. Sie entscheiden, wer welche Interviews wie redigieren darf. Man erinnert sich beispielsweise an das nationale Hundegesetz, faktisch initiiert durch den Blick im Dezember 2005 nach einer Pitbull-Attacke in Oberglatt ZH.

Und nicht zuletzt: Sie arbeiten zu einem grossen Teil mit zugesteckten und meist auch aufgearbeiteten Informationen oder ganzen Stories der Interessensvertreter. Transparent wird das nie. Wieso auch. Schliesslich ist man als Journalist nicht nur Teil des System, nein, man ist nicht selten die matchentscheidene Schaltzentrale.