Eine Huffington Post für den Thurgi

Die St. Galler Tagblatt AG, Herausgeberin u.a. der Thurgauer Zeitung, hat kürzlich einen weiteren Rückbau “eingestanden”. Bekannt gegeben wäre falsch, denn bis heute habe ich dazu keine Medienmitteilung auf der Unternehmenswebseite gefunden. Klar scheint, dass das Büro der Regionalredaktion Kreuzlingen geschlossen wird, bzw. die verbleibende Rest-Redaktion nach Weinfelden oder Frauenfeld umziehen muss.

Restrukturierungsprozess

Veränderungen müssen sein, die Herausforderungen der klassischen Printmedien sind unbestritten gross. Die Frage ist aber, ob die eingeschlagene Strategie des “Rückzug von der Bevölkerung” erfolgreich sein kann. Der Monopolist “Tagblatt” ist sich seine Rolle zu sicher. Dabei deuten auch die Entwicklungen der letzten Jahre in eine andere Richtung. Regionalzeitungen wie der “Bote vom Untersee” werden immer stärker, je schwächer die Regionalberichterstattung der Thurgauer Zeitung wird. Das ist nur logisch: Eine grosse Zahl der Abonnenten lesen die Zeitungen wegen den Todesanzeigen, dem Wetter, den Leserbriefen und – vor allem – wegen der lokalen Berichterstattung und den Vereinsaktivitäten.

Bürger für Bürger

Spannend ist die Frage, wie lange es in diesem Umfeld noch dauert, bis in der Schweiz die erste Bewegung ähnlich einer “Huffington Post”, einer kommerziellen Onlinezeitung, entsteht. Vielleicht wäre der Thurgau ein idealer Testmarkt!

Mundart-Boom durch PISA-Hysterie

Blick am Abend in Mundart

Die Revolution schreitet voran: Kürzlich erschien eine ganze “Blick am Abend” Ausgabe in Schweizerdeutsch. Auch die Swatch Group publizierte ihren Geschäftsbericht in verschiedenen Dialekten.

Um die Jahrhundertwende wurden im Rahmen der PISA-Tests Schulleistungen international verglichen. Schweizer Schüler brillierten nicht in allen Disziplinen. Lehrerschaft und Politik reagierten mit den PISA-Folgemassnahmen. Darunter beispielsweise die Einführung von der Hochdeutsch im Kindergarten und der konsequenten Anwendung ab der Primarstufe.

Mundart-Boom durch zwei Trends

Kurz darauf erlebte die Mundart einen neuen Boom. Cool ist, was man in der Schule nicht darf. Schwiizerdütsch ist seither wieder hip. Eigentlich mit fatalen Konsequenzen, welche wohl die Vorstellungskraft der Pädagogen sprengte. Heute werden bereits EMails in Mundart verfasst. Begonnen hat der Trend jedoch mit dem Aufkommen der SMS und der Verbreitung der Mobiltelefonen in den Schulen. Es ist heute noch spannend zu verfolgen, wer in welchen Situationen welchen SMS-Inhalt in welche Sprache verfasst.

Hochdeutsch-Offensive ausgebremst

Die Kraft der Mundart ist ungebrochen. Statt dass Schwiizerdütsch zu verbannen, wurde es durch die Massnahmen geradezu beflügelt. Die Strategie des Lehrerdachverbandes LCH ist grandios gescheitert. In den Schulzimmern wird zwar Hochdeutsch gesprochen, doch das Durcheinander ist grösser als je zuvor. Mundart und Schriftsprache werden zunehmend vermischt. Mundart setzt sich in der schriftlichen Konversation per SMS und immer öfters auch in Emails durch.

Dieser Blog gehört zu einer Serie über unsere Mundart (vgl. Tag “Schwiizerdütsch”).

Vogel-Strauss-Zugfahrer

Der Pendler leidet heute unter einem grossen Übel. Es sind aber nicht die Viren und Bazillen. Dagegen helfen Vitaminbomben. Es sind auch nicht die überfüllten Züge in Stosszeigen – daran ist man sich gewohnt und man weiss, dass man “Teil des Problems” ist. Die kreischenden Tussis, die rumtobenden Kinder oder die redseligen alten Damen kann man meistens “abschalten”. Dagegen hilft der Ipod zuverlässig. Falsch denkt auch, wer an den liegengelassenen Müll unserer wohlstandsverwahrlosten Gesellschaft oder die Bahnsecurity denkt, die am liebsten im Erstklasswagen sitzt. Nein, all das sie Nebensächlichkeiten.

Vogel-Strauss-Zugfahrer

Was wirklich stört sind die Novizen, die Greenhörner, die Debutanten, die Ferienmacher – und die Autofahrer die sich auf ein Person verirrten. Nichts nervt mehr als die völlig überforderten Mitreisenden die Bahnsteige blockieren, Rolltreppen belagern und planlos in der Gegend stehen. Auf die Spitze treiben es die Vogel-Strauss-Zugfahrer. Für diese Abart dreht sich das ganze Universum nur um sie selber. Es sind jene, die beim Einsteigen drängeln wie Deppen. Wenn sie selber auf der Plattform im Zug stehen, verharren sie umgehend. Weiterlaufen? Ein Fremdwort. Platz schaffen? Wieso auch, “ihr” Problem ist gelöst. Mitmenschen? Soweit scheint der Horizont nicht zu reichen. Genau diese Spezies ist es auch, die beim Aussteigen direkt erstmal felsenfest stehenbleibt. Exakt dort, wo 25, 50, 75 weitere Personen auch noch gerne innert nützlicher Frist aussteigen würden. Steckt ihr eigener Kopf mal an der Luft, vergessen sie alles um sich herum.

Gesammelte Werke der Wutbürger

Manchmal traut man seinen Augen nicht, was man alles so zu lesen bekommt. Gut, es ist menschlich sich aufzuregen. Und manche echauffieren sich auch aus guten Anlass. Tatsächlich, stellenweise kann man die erhitzten Gemüter nicht nur nachvollziehen, teilweise muss man regelrecht zustimmen. In Schwall der Unwahrheiten und Anschuldigungen steckt meist ein Funken Wahrheit. Dennoch: Beim Entziffern der Zuschriften sollte man sitzen, sofern man eine ehrliche Antwort schreiben will und nicht nur eine oberflächliche Sichtung vornimmt.

Es ist immer wieder erstaunlich, was Ärgernis, Kreativität (im Zusammenhänge konstruieren) und Phantasie ( = Unwissenheit) kombiniert für Resultate hervorbringen und – beim Leser – für unterschiedliche Reaktionen auslösen: Traurigkeit, Entsetzen, herzhaftes Lachen, entfesseltes Lachen, Staunen, Mitleid und immer wieder Kopfschütteln. Auf alle Fälle erfährt man einiges über einen kleinen Teil unserer Schweizer Wutbürger. Stoff für Geschichten, Stoff für ein Sammelwerk der Protestschreiben. Herauszugeben wahlweise als Satire oder als soziologisches Fachbuch. Auf alle Fälle jedoch anonymisiert: Eine Welle an Ehrverletzungsklagen braucht dieses Land sicher nicht.

Manchmal bleibt mir nur eine Hoffnung: Dass die Wutbürger denn auch wirklich „JAAAA!!“ oder „Niemals“ auf ihren Abstimmungszettel schreiben. Dann ist’s wenigstens ungültig und der verkappte Intelligenztest in unserem politischen System hat einmal mehr zugeschlagen.

On the road

Am Freitag galt es von Stein, Frick und Herznach aus nach Winterthur zu verschieben. Es hab ein Vor Det, ein Haupt Det, ein Nach Det und der Schnee. Mit letzteren beiden hat das Medienteam seine Erfahrungen gemacht.

Wir waren gerade mit den Interviewanfragen an Nationalrat Hurter, bzw. mit dem Rätsel beschäftigt, da begann es draussen leicht zu schneien. Mit dem Hunger nahm dann auch das Schneetreiben zu. Das Medienteam hat ausgeharrt bis die Akkus – in doppelten Sinne – leer waren. Draussen begannen erste Auto zu rutschen. Gottlob haben wir keine Verkehrsmeldungen gehört.

Mit 20 auf der Autobahn

Gut verpflegt – unser Bauchgefühl drängte uns dazu den Zwipf als Notration auszusparen – gings dann los. Gefahren sind wir dann wie so viele an diesem Nachmittag nicht sehr lange. Spätestens ab der A1 hatten wir Schritttempo, um dann vor dem Gubrist ganz stillzustehen. Da waren wir also. Blockiert in der Blechlawine. Eingeklemmt zwischen nervös telefonierenden, wild fuchtelnden und apathisch-trostlosen Autofahrern. Je länger es dauerte, desto grösser der Stau. Die gemeldeten Unfälle steigerten sich von 10 auf 30, 50 – bis zu 80 alleine im Kanton Zürich. Kunststück: Wir waren so langsam unterwegs, dass der Schnee auf der Autobahn gefrieren konnte!

Ziel unfallfrei erreicht

Gesamthaft soll es 250km Stau gegeben haben. Das Medienteam ist überzeigt, jeden Meter davon abgefahren oder eben abgestanden zu sein. Für eine Strecke die man in 54 Minuten schaffen sollte, benötigten wir satte 4,5 Stunden. Schlussendlich erreichten wir unser Ziel sicher und fanden nach weiteren 15 Minuten auch eine Parklücke. Schön zu wissen, dass auch alle anderen Kameraden unfallfrei angekommen sind.

Dazu passt auch der folgende Hauptartikel.