JA zur Abschaffung der Wehrpflicht

Irgendwann in einer Uni-Vorlesung hört man etwas von einer Führungsspanne und dem Kongruenzprinzip. Letzteres leuchtet sofort ein. Wer einer Person eine Aufgabe überträgt, sollte ihr zur korrekten Auftragserfüllung auch die entsprechenden Verantwortung und die notwendigen Kompetenzen dafür geben. Die Führungsspanne, das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und direkt unterstellten Mitarbeitern, bleibt dabei etwas schwammig, gerade auch weil die Wissenschaft dazu umstritten ist. Theorie bleibt halt Theorie.

AHA-Effekt im Berufsleben

Sobald man selber die ersten Mitarbeiter führt, begreift man schnell was mit der Führungsspanne gemeint ist und wie wichtig diese ist. Man begreift auch, wieso die Wissenschaft nur Grundsätze liefert: Da sich jedes Projekt unterscheidet, machen auch unterschiedliche Führungsspannen einen Sinn. Das ausgleichende Mittel welches vor eine Überlastung des Chefs verhindert ist das bekannte Kongruenzprinzip.

Veraltete Führungsphilosophie im Militär 

Offenkundig wird das Ganze im Militär. Die total veraltete Führungsstruktur mit weit über zehn Hierarchiestufen macht die Organisation ineffizient. Das Hauptproblem dabei ist die starre und gleichzeitig sture Linienorganisation ohne Flexibilität. Der Informationsfluss wird mehrfach unterbrochen, x-fach verzögert und oft unabsichtlich verfälscht. Weil das Kongruenzprinzip mit Füssen getreten wird, wird leider auch selten da entschieden, wo das Wissen vorhanden wäre. Kurz und knapp: Die Armee steht sich selber im Weg. Offenbar ist die Ressource “Soldat” so wenig wert, dass man sie verschwenden kann. Das ist umso erstaunlicher, weil die Armeeführung im Grundsatz durchaus verstanden hat, wie wertvoll die Miliz und die Fähigkeiten sind, welche die “Zeitsoldaten” aus dem Zivilleben in die Armee einbringen.

Abschaffen der Wehrpflicht

Eine glaubwürdige und starke Armee braucht nicht nur genügend und kompetente “Soldaten”. Eine glaubwürdige Armee braucht auch eine moderne Führungsphilosophie, um ihr Potential zu nutzen. Wenn mit der Abschaffung der Wehrpflicht die Armee den Wert ihrer wichtigsten Ressource – die Soldaten – neu überdenken muss, führt das mittelfristig vielleicht auch zu einer längst überfälligen Anpassung der Strukturen. Um gute Kader und Soldaten zu verpflichten, muss die Armee die freiwillig Dienstleistenden marktgerecht entschädigen und – vielleicht fast wichtiger – diese (endlich) sinnvoller einsetzen.

Darum ein JA zur freiwilligen Miliz als Auftrag an die Armeespitze endlich im 21. Jahrhundert anzukommen und eine Armee zu schaffen, die tatsächlich die “beste der Welt” ist.

Miliz ist das Entscheidende!

2013-08-07 15.02.05

Die Miliz stellt sicher, dass in der Armee überhaupt etwas funktioniert. Dank der Eigeninitiative und der zivilen Schreinerausbildung werden Herausforderungen gelöst. Vermutlich ist aber auch er ein zur “Freiwilligkeit gezwungener”.

Ich leiste derzeit (endlich) meine letzten Tage in unserer netten kleinen Armee. Der ideale Ort und die ideale Zeit mir endlich klar zu werden, was ich am 22. September zur Abschaffung der Wehrpflicht stimmen werde.

Die Sache mit der Bürgerpflicht

Ich bin noch immer gefangen in einer der besten politischen Diskussionen der letzten Jahre: Die scharfsinnige, engagierte Debatte am Kongress der Jungfreisinnigen Schweiz. Dabei dreht sich im Kern alles um zwei Grundsatzfragen.

a) Wie stark darf der Staat in die Freiheit der Bürger eingreifen?

b) Funktioniert eine Armee mit einer freiwilligen Miliz?

Erkenntnis nach einer Woche KVK

Nach der ersten Woche KVK lässt sich mit absoluter Sicherheit nur eines sagen: Das entscheidende ist die Bewahrung des Milizgedankens in der Armee – ob die Miliz freiwillig ist oder nicht, bleibt offen. Denn sind wir einmal ehrlich: Ohne Dienstpflicht wäre ich nie in der Armee. Ohne eine gewisse Freiwilligkeit die wir mitbringen, hätte ich (und quasi der ganze Stab) letzte Woche gar nichts zu Stande gebracht. Das beginnt am Montagmorgen: Die Armee erwartet, dass Leute mit dem PW einrücken und die ersten Zwipfsäckli mit dem Privatfahrzeug in der ganzen Ostschweiz verteilen (schliesslich liegen die Logistikbasen an mehreren Orten…). Und so geht es eigentlich die ganze Woche weiter. Hätte ich nicht den privaten Laptop und den privaten Internetzugang dabei, wäre nichts nichts erledigt. Nach einer Woche gibt es faktisch zwei funktionierende PC und zwei Drucker für den ganzen Stab. Gottlob durfte ich bei einer privaten Anwaltskanzlei gratis drucken. Ab Morgen haben wir für unsere Propagandaauftrag auch eine private Spiegelreflexkamera zur Verfügung und graben die nächsten Thurgauer Firmen an, ob sie nicht für uns Drucken könnten.