Visionär auf die Schauze gefallen

Morgen ist er durch. Morgen entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über das Schicksal der 1:12-Initiative. Ich tippe auf 62,1 Prozent Nein. Trotzdem sind die Juso bereits am feiern. Haben Sie Grund dazu? Und wo lagen ihre Fehler?

Respektables Engagement

Trotz deutlichem Nein sind die vergangenen Monaten für die Juso eine Erfolgsgeschichte. Die Stellung der Juso innerhalb der SP wurde klar gestärkt. Cédric Wermuth hat sich Nationalratsmandat und Wiederwahl gesichert. Am Engagement der Juso hat es nicht gefehlt. Genausowenig jedoch am Geld. Die Idee war von Beginn weg viel zu extrem, der Initiativtext löchrig wie ein Emmentalerkäse.

1. Fehler: Vergessen, fertig zu denken.

Die beiden Hauptprobleme der Juso waren ihre eigene Begeisterung und ihre ideologischen Denkmuster. Die “Abzocker” haben ihnen den roten Teppich ausgelegt. Sie dachten, dass sie auf der Empörungswelle zum Sieg geschwemmt würden. Sie dachten, dass es reichen würde, die Emotionen um die hohen Saläre am Kochen zu halten. Sie haben es unterlassen die Konsequenzen ihrer Initiative namentlich für die Ausfälle bei Steuern und AHV in ihre Überlegungen einzubeziehen. Ihre Ideologie stand dazu im Weg. Die Märchen von der umverteilten Lohnsumme und dem höheren Konsum glaubte ausserhalb der Juso nicht eine Person.

2. Fehler: Die Flagge aus China

1:12-Flagge aus chinesischer Produktion wurde zum Bumerang. Da hat die Juso definitiv am falschen Ort gespart. Mit dieser unglücklichen Aktion haben die Juso letztlich allen offenbart, dass sie nur gegen die Manager schiessen, ihnen aber die Arbeitsplätze der Angestellten in der Schweiz egal sind. Sie haben ihre Basis so regelrecht verraten.

3. Fehler: Verwässerung der Initiative wegen kalten Füssen

Im Verlauf des Abstimmungskampfs haben die Jungsozialisten gemerkt, wie ihnen immer mehr ihrer eigenen Felle davon schwammen. Alle SP-Volkswirtschaftsdirektoren, verschiedene National- und Ständeräte von Links-Grün wie auch ganze Gewerkschaften (Angestellte Schweiz), äusserten sich kritisch bzw. empfahlen ein “Nein”. Die Kampagnenleitung musste reagieren. Das tat sie – nur leider falsch. Ein eigenes Gutachten von Gewerkschaftsmitarbeiter David Galluser stellte die eigene Initiative in Frage und löste eine breite Verunsicherung aus (der Blick berichtete). Ein Vorgang den man bisher nicht kannte, aber die zunehmende Verzweiflung der Initianten wiederspiegelte.